Ein ausgezeichnetes Team
«Projekt Altersheim – die Gemeinschaft zwischen Jung und Alt stärken», das war das Ziel von Lisa-Marie, Safira und Alina. Was sie in der Zeit zwischen Idee und Ausführung erlebten, hielten sie in ihrer rund 40 Seiten dicken Mappe fest. | Die einen haben ein Insektenhotel, die anderen französische Backwaren hergestellt – und wieder andere haben bei ihren Besuchen im Seniorenpflegeheim Alt und Jung zusammengebracht. Die Ideen für den Gesamtschul- Wettbewerb Projekt² waren individuell wie die Schüler selbst. Gestern war das Finale, aus dem auch die Ernst- Reuter-Schule II als Sieger hervorging. Mertonviertel/Nordweststadt. Alle drei halten die Projektmappe in die Kamera. Dabei strahlen Lisa-Marie Graf, Safira Süß und Alina Kaleab eine Mischung aus Schüchternheit und Selbstbewusstsein aus. Selbstbewusstsein, das sie, wie sie erzählen, auch bei ihrem Projekt gewonnen haben. Jung und Alt wollten sie zusammenbringen, besuchten dafür regelmäßig Senioren im Pflegeheim Casa Reha, bastelten und spielten mit ihnen, lösten gemeinsam Rätsel und erzählten sich aus ihren Leben. Eine Idee, die ihnen nicht nur selbst etwas brachte, sondern mit der sie auch beim Gesamtschul-Wettbewerb Projekt² in der Kategorie «größtes soziales Engagement» den Sieg holten. |
Schulleiter hatte die Idee
Das Projekt² – sprich «Projekt hoch zwei» – ist ein Wettbewerb zwischen vier integrierten Gesamtschulen im Rhein-Main-Gebiet, der von Thomas Findeisen, Leiter der Schillerschule (Offenbach) initiiert wurde und an dem auch die Ernst-Reuter-Schule II (Frankfurt) und die Heinrich-Kraft-Schule (Frankfurt) sowie die Heinrich-Böll-Schule (Bruchköbel) teilnehmen. Jedes Jahr wird der Wettbewerb von einer anderen der vier Gesamtschulen ausgerichtet. In diesem Jahr war die Ernst- Reuter-Schule an der Reihe. Und so trafen sich Schüler, Lehrer und Jury gestern in den Räumen von Dertour im Mertonviertel, um ihre Projekte vorzustellen – und natürlich auch, um die Sieger zu küren.
Warum Lisa-Marie, Safira und Alina ausgerechnet auf die Idee gekommen sind, Besuche in einem Pflegeheim zu machen? Nun, die Beweggründe sind unterschiedlich. Lisa-Marie zum Beispiel kann sich vorstellen, später in einem Pflegeheim mit alten Menschen zu arbeiten. Safira dagegen will Vorurteile abbauen: «Oft hört man, dass sich alte und junge Menschen nicht verstehen, was angeblich an den Jugendlichen liegt. Wir wollten zeigen, dass nicht alle so sind.» Was ihnen gelun
In einer integrierten Gesamtschule lernen alle Schüler gemeinsam in einer Klasse – egal ob sie Probleme mit dem Lernen haben, körperbehindert oder praktisch bildbar sind oder sich eben auch durch eine besondere Begabung auszeichnen.
Das Projekt² ist für besonders begabte und engagierte Schüler der krönende Abschluss des neunten Schuljahres beziehungsweise ihrer Hauptschulabschlussprüfung. Denn dafür dürfen sich nur die Besten anmelden und diese bekommen für ihre herausragenden Leistungen und ihr außergewöhnliches Engagement sogar einen Preis verliehen.
Doch bevor es soweit ist, steigt der Adrenalinspiegel wieder, denn alle Gruppen der vier Schulen müssen ihre Projekte noch mal präsentieren – dieses Mal vor einem großen Publikum. Die «Webseite zum Hören», das «Insektenhotel», die «Mode der 60er» – oder das Thema «Altenheim».
Erstmal Absagen kassiert
Mit dem Rad hatten sich Lisa-Marie, Safira und Alina im Oktober aufgemacht, fuhren sämtliche Einrichtungen in der Gegend ab – und blitzten ab. Erst beim «Casa Reha» hatten sie Erfolg. Doch gleich das erste Treffen mit den Senioren fiel aus, weil sich die Heimleitung, so die drei Mädels, nicht an Terminabsprachen gehalten haben. Im November schließlich traf Jung erstmal auf Alt. Eine Dame kam zu den Gesellschaftsspielen, die Lisa-Marie, Safira und Alina anboten. Von Treffen zu Treffen wurden es mehr Senioren, denen es gefiel, was die Schülerinnen im Programm hatten. Das Vertrauen wuchs. Man vertraute sich einander an. «Die Gespräche sind uns schon sehr nahe gegangen», sagt Alina. «Doch es hat auch uns etwas gebracht, wenn die Älteren aus ihrem Leben, früher und heute, erzählt haben. Schließlich haben wir selbst noch nicht so viel Lebenserfahrung.»
Ziel der Veranstaltung ist es, die sehr guten Arbeiten der Jugendlichen in einem ansprechenden Rahmen zu würdigen und die Bedeutung ihrer Arbeit herauszustellen. Um dies zu erreichen, gibt es einen Kooperationspartner aus der Industrie oder Wirtschaft, in diesem Jahr ist es der Rewe-Konzern.
Die Prämierung der besten Projektprüfungsgruppe stellt den Abschluss der Veranstaltung dar. Die Preisverleihung erfolgt unter anderem in den Kategorien «kreativster Projektordner», «bester freier Vortrag», «innovativste Idee», «kooperativste Teamarbeit», «Herstellung eines alltagstauglichen Produkts» und «größtes soziales Engagement».
Für letzteres wurden Lisa-Marie, Safira und Alina ausgezeichnet. Ein Preis, über den sich sicherlich auch die Senioren im Casa Reha freuen. Denn die Mädels möchten ihre liebgewonnenen «Alten» auch nach der Projektzeit besuchen. Eine Idee also, mit dem nicht nur so manches Vorurteil aus der Welt geschafft wurde, sondern aus der auch Freundschaft wuchs.© 2010 Frankfurter Neue Presse
