Die Frankfurter Rundschau ist unserer Einladung zum Tag der offenen Tür gefolgt. Hier ist Ihr Bericht dazu vom 22.02.2010:

Frankfurts Schulen
Qual der Wahl
VON PETER RUTKOWSKI

Sie werben mit Video, mit Orchester und Chor, mit Tanz, Kunst und eindringlichen Worten. Jedes Jahr und immer besser. Frankfurts weiterführende Schulen bereiten sich auf ihre nächsten fünften Klassen vor. Die kommen im August, aber geworben werden muss früher, viel früher. Beispielsweise im Februar, beispielsweise in der Ernst-Reuter-Schule II in der Nordweststadt und in der Bettinaschule im Westend.

Auf dem Pausenhof sieht man noch die Reste von "Abi ´99", daneben prangt noch in voller Pracht "Abiwoi ´09". Abi ´19 ist noch lange hin. Da denkt keines der Kinder dran, die durch die Bettinaschule tollen und erst recht niemand von den Eltern. Die scannen unentwegt, 360 Grad im Rund: Wo bin ich hier? Will ich mein Kind hierher schicken? Kann man das acht, neun oder wieviel Jahre auch immer aushalten?

Keine dieser Fragen kann die Bettinaschule beantworten. Sowas klärt man mit sich selbst. Das Gymnasium hilft. Es begrüßt Eltern und Kinder mit Chormusik, die schwer nach Afrika klingt, und mit Schulleiterin Judith Ullrich-Borrmann, die weiß, dass die Besucher "die Qual der Wahl" haben, weshalb sie auch möglichst viel von den Angeboten der Westend-Schule präsentiert. Den Kulturtag in der Siebten, mit dem Ensemble Modern oder Forsythe, Chinesisch inklusive der Kalligrafie. Die Schule überlegt auch, ihr Konzept der Nachmittagsbetreuung zu ändern. Das sollen die Eltern mitentscheiden. Während die Kinder die Klos inspizieren. Das empfiehlt die Schulleiterin, denn sie will zeigen, dass ihr Haus überall glänzt.

Am Hammarskjöldring glänzen zuerst die Instrumente der Bläsergruppe. Und klingen nach was. Da ist Wolfgang Schmitt-Gauer stolz drauf, dass es "vom ersten Tag an in tutti" losgeht, eine ganze Klasse sich aufeinander verlässt, etwas leistet "und nach zwei Jahren weiß, man kann etwas schaffen". Davon lassen sich Eltern gerne überzeugen. Wenn sie auch wohl zuvor die Tafel mit "IGS mit GU" eher verwirrt hat. Pädagogen-Abkürzungen.

"Ja", die stellvertretende Schulleiterin Ingrid Burow-Hilbig lacht, "das wird kaum wer verstehen." Integrierte Gesamtschule ist die ERSII, mit gemeinsamem Unterricht, sprich: behinderte Kinder sind voll integriert. Wenn man´s weiß, zieht so was auch.

Weshalb die ERSII auch stets dafür trommelt, auf Elternabenden, in Grundschulen, überall. Aber an ihrem Tag der offenen Tür präsentiert die Schule natürlich viel mehr. Zum Beispiel: Ihre Wahlfächer sind jetzt so organisiert, dass alle wirklich wählen und keine "Restgruppen" mehr bleiben, "die dann halt Kunst machen". Prompt zeigt die Kunstklasse, was sie drauf hat. Tomi Ungerers "Das Biest des Monsieur Racine" wird zu einem Dutzend "Biester der ERS", aus Draht, Pappmaché und Stroh - inklusive eines mächtigen Königs der Meere mit Tentakeln und 100 Zähnen. Und die Lehrer schauen, dass ihre Schüler immer selbstständiger werden und die Eltern auch kritischer. "Wir sind ja nicht mehr die Dompteure", sagt Burow-Hilbig.

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Dokument erstellt am 21.02.2010 um 18:56:14 Uhr
Letzte Änderung am 21.02.2010 um 22:25:38 Uhr
Erscheinungsdatum 22.02.2010 | Ausgabe: s