16.11.2009
Ein Schritt in die Zukunft
Vom Koch bis zum Friseur, vom Gleisbauer bis zum Floristen – eine breite Palette an Informationen über Berufsbilder gab es für die Neuntklässler der Ernst-Reuter-Schule II.
Niederursel. Wenig Motivation zum Besuch der Berufsbörse verspürten die Schüler der Ernst-Reuter-Schule II. Dabei werden einige der Neuntklässler nächstes Jahr die Integrierte Gesamtschule (IGS) verlassen, höchste Eisenbahn also bei der Berufswahl. Die Berufsbilder von Gleisbauer, Florist und Koch wurden vorgestellt. Stressig sei sein Beruf, berichtete Koch Alexander Henow den Schülern. Habe man aber eine Ausbildung absolviert, finde sich immer Arbeit. Henow, der in Bonames ein Bistro mit drei Azubis führt, sagt: «In der Zeitung stehen jede Woche mindestens vier Stellengesuche.» Wer als Koch arbeitslos sei, trage also zumeist selbst die Schuld. Schmackhaft machen wollte Henow den Job des Schiffskochs, seine Schwester habe ihn einst gewählt, er selbst bereue, es nicht getan zu haben. «Man verdient viel Geld und sieht die Welt. Was kann es Schöneres geben?»
Roxanna Malyso aus der Nordweststadt weiß etwas ganz genau. Sie hört zwar aufmerksam zu und inspiziert auch Henows Messerset. Aber: Auf dem Schiff bleibe für sie keine Möglichkeit zum Einkaufen. «Und darauf kann ich niemals verzichten», gesteht die Schülerin. Ein paar Räume weiter geben sich Sylvia Müller und Maria Sahm von der Deutschen Bahn redlich Mühe, bei den Jugendlichen Interesse an einem der bundesweit größten Arbeitgeber zu wecken. Vorgestellt werden die Berufe Fahrdienstleiter und Gleisbauer, krisenfeste, aber verantwortungsvolle Tätigkeiten. Zweieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. «Für das Jahr 2010/11 stellen wir 100 Azubis ein. Und deren Chancen, einmal übernommen zu werden, sind wirklich gut», lockten Müller und Sahm, doch bleiben weitere Nachfragen der Neuntklässler aus. Voraussetzung für die Einstellung ist ein guter Haupt- oder Realschulabschluss. Schüler Julian Kraus aus Heddernheim kann den zwei Berufen einiges abgewinnen. Doch der 15-Jährige will lieber Gerüstbauer werden. Über Bekannte habe er bereits einige Kontakte geknüpft, im Büro sitzen wolle er ohnehin nie. «Nein, ich will was Handwerkliches machen. Gleisbauer hört sich zwar interessant an, aber ich habe mich entschieden.» Als künftiger Verkäufer im Großhandel sieht sich Klassenkamerad Oleg Feller. Ihm sind die Tätigkeiten bei der Bahn mit zu hoher Verantwortung verbunden. Was er einmal verkaufen wolle, wisse er allerdings noch nicht.
Zusammen mit der Schulintegrativen Sozialarbeit (SIS) und der Unterstützung zahlreicher Eltern hat der Verein zur Förderung der Pädagogischen Arbeit an der Ernst-Reuter-Schule II die Berufsbörse für den neunten Jahrgang auf die Beine gestellt. Nach dem dreiwöchigen Betriebspraktikum, das alle Schüler in Klasse 8 absolviert haben, ist dies der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Berufsfindung. Da einige mit Ende dieses Schuljahres die IGS verlassen werden und bereits dabei sind, einen Ausbildungsplatz zu suchen, bot sich ihnen eine anschauliche Möglichkeit der Information. Vorgestellt wurden zudem die Berufe Florist, Friseur und Berufskraftfahrer. Auch Vertreter des Arbeitsamtes waren mit von der Partie, zudem konnten die Schüler Einstellungstests üben. «Von allen Referenten, die hier waren, gab es eine positive Rückmeldung», sagte Ingrid Burow-Hilbig aus dem Schulförderverein. «Sie wollen nächstes Jahr wiederkommen.» bki
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