Berufsorientierung für Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Ausgangssituation
An der Ernst-Reuter-Schule II gibt es seit 1989 den Gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder in sogenannten Integrationsklassen. Grundsätzlich können alle Kinder mit jeder Art und Form Behinderung aufgenommen werden. Zu Schuljahresbeginn 1996/97 wurde an der Ernst-Reuter-Schule II ergänzend das »Projekt BERUFSORIENTIERUNG für Jugendliche mit sonderpädagogischem und besonderem Förderbedarf“ eingerichtet . Inzwischen ist der Bereich fester und erfolgreicher Bestandteil der Schule. Jährlich arbeiten darin 14 bis 16 Jugendliche aus der ERS II und kooperierenden Schulen.
Rahmenbedingungen
Die BERUFSORIENTIERUNG an der Ernst-Reuter-Schule II ist eine schulische Maßnahme zur beruflichen Orientierung beim Übergang von der Schule in den Beruf. ist ein Angebot für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus Klassen mit Gemeinsamem Unterricht und aus Sonderschulen nach dem Besuch des 9./10. Schuljahres, im Rahmen einer Schulzeitverlängerung von bis zu drei Jahren.
• arbeitet in Kooperation mit einer Schule für Praktisch Bildbare, einer Schule für Körperbehinderte, anderen Gesamtschulen.
• kooperiert mit der Agentur für Arbeit, den Integrationsfachdiensten, mit Betrieben und Firmen der freien Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltung,
• mit anderen Bildungsträgern, Vereinen, Initiativen und sozialen Einrichtungen.
• verfügt über zwei Sonderschullehrer/innen- und drei Integrationshelfer und Integrationshelferinnenstellen und erhält einzelne Lehrerstunden von den kooperierenden Schulen.
Teilnahme 
Die Teilnahme der Jugendlichen ist freiwillig. Die Aufnahme und jährliche Weiterführung erfolgt auf Antrag der Jugendlichen, der Erziehungsberechtigten und/oder der Schule durch das Staatliche Schulamt Frankfurt im Rahmen einer Schulzeitverlängerung. Die Gesamtteilnahmedauer kann drei Jahre betragen.
Struktur
Unterrichtszeit: 7.50 bis 13.15/ 14.30 Uhr von Montag bis Freitag
Arbeit in Tätigkeitsfeldern der Schule, jeweils Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in unterschiedlichen Schwerpunkten
Betriebspraktikum: bis zu viermal im Jahr für jeweils fünf Wochen ebenfalls Dienstag, Mittwoch und Donnerstag
Langzeitpraktikum: Betriebspraktika können verlängert werden
• Allgemeinbildender Schultag: Montag
• Berufliche Bildung: Freitag
• Arbeitsgespräche zu Beginn und am Ende der Unterrichts- /Arbeitszeiten
• Gruppengespräch: Montag / Freitag
• Einzelgespräche: Donnerstag, nach der Unterrichts-/Arbeitszeit
• Beratungsgespräche mit einzelnen Jugendlichen und ihren Eltern: Dienstag Abend
Inhalte
Arbeit :
An drei Tagen der Woche arbeiten die Jugendlichen ihren Fähigkeiten und ihrem jeweiligen Förderbedarf entsprechend angeleitet und betreut in verschiedenen schulinternen Tätigkeitsfeldern: Gartenbau, Grünflächenpflege, Imkerei, Kerzenwerkstatt, Pflege und Verwertung von Streuobst, der jährliche Weihnachtsbaumverkauf, Hauswirtschaft und Kochen, Wäschepflege, Technik, Holzbearbeitung, Raumgestaltung, Büro.
Praktika :
Wichtige Bestandteile sind regelmäßige Betriebspraktika, die jährlich bis zu viermal für einen Zeitraum von fünf Wochen an drei Tagen der Woche stattfinden können. Bisher wurden Praktika in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Gärtnerei, Landwirtschaft, Tierhaltung und -pflege, Holzbearbeitung, Metallverarbeitung, KFZ - Reparatur, Hotel und Gaststätten, Küche, Bäckerei, Büro, Verwaltung und Poststellen, Bücherei, Recycling und Verwertung, Wäscherei und Reinigung, Raumpflege, Lager und Verkauf erfolgreich durchgeführt
Allgemeinbildung :
Ein Lerntag gilt der stabilisierenden Vertiefung von bisher Gelerntem
Berufsbildung :
An einem Wochentag findet Unterricht mit berufsbildendem Inhalt statt
An den “Lerntagen“ werden mit unterschiedlicher Gewichtung die allgemein bildenden Schwerpunkte Lesen, Schreiben, Rechnen mit Inhalten einzelner Arbeitsfelder und Praktika verbunden. Dazu gehört die Vor- und Nachbereitung der Betriebspraktika, die Vertiefung der Fachpraxis sowie das Fahrtraining mit öffentlichen Verkehrsmitteln und das Erlernen möglichst weitgehender Selbstständigkeit. So ist das Training der persönlichen Sicherheit in den Bereichen Kommunikation, Darstellung und Bewerbung wichtiger Bestandteil
Aufgaben:
Individualisierte Förderung der Jugendlichen zur kognitiven und psychosozialen Entwicklung und zur Stabilisierung zu möglichst weitgehender Selbstständigkeit und Mobilität. Unterricht auf der Grundlage des jeweils einzelnen Lernentwicklungsstandes. Unterrichtsarbeit mit Wochenplanschwerpunkten in Projekten, orientiert an Inhalten schulischer Praxisfelder, betrieblicher Praktika und an Fragen der Lebensplanung. Vor- und Nachbereitung arbeits-berufs- und lebensrelevanter Inhalte.
Erarbeitung einer positiven Arbeitshaltung, Förderung von Ausdauer und Kontinuität, von Offenheit und Flexibilität in praktischen Arbeitsbereichen, in Arbeits-, Projekt- und Werkstattschwerpunkten der beteiligten Schulen und in Betrieben, bemessen nach den jeweils individuellen Fähigkeiten und Förderschwerpunkten der einzelnen Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Bezug auf die jeweils konkreten Arbeitsanforderungen.
Werkstatt- und Projektarbeit zur Herstellung und zum Verkauf von Waren und Dienstleistungen, um mit den darin erwirtschafteten Mitteln die Ausstattung der Maßnahme zu ergänzen und zur Finanzierung von Jahresprojekten und Gruppenfahrten beizutragen. Ebenso wird damit die Teilnahme an außerschulischen Projekten und Kunstworkshops ermöglicht.
Vermittlung in Block- und Langzeitpraktika in Betrieben, mit dem Ziel einer möglichen Übernahme in ein Qualifizierungs- und/oder Arbeitsverhältnis. Begleitung, Unterstützung und Beratung bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung aller Tätigkeiten innerhalb und außerhalb der Schule. Bedarfsorientierte Einzelbetreuung im Sinne einer “Assistenz am Arbeitsplatz“ während betrieblicher Praktika und bei der Suche nach einem Qualifizierungs- oder Arbeitsplatz, sowie die Hilfe zur Selbsthilfe bei der Entwicklung eines weitestgehend selbstständigen Lebens.
Strukturierung und Aufbereitung sinnvoller Tätigkeiten und Handlungsabläufe in Arbeits- und allgemeinen Lebenssituationen. Fahrtraining zur Schule und zu Praktikums-, Arbeitsplätzen und außerschulischen Lebensräumen für Einzelne nach Bedarf. Erarbeitung individueller Förder- und Arbeitspläne, Erstellung von Beurteilungen und Zeugnissen. Erstellung von Leistungsprofilen. Erfassung der jeweiligen Neigungen und Stärken. Zusammenarbeit mit allen am Entwicklungsprozess Beteiligten.
Ziele:
Die Erarbeitung einer positiven Arbeitshaltung, Förderung der Kommunikations- und Kritikfähigkeit, von Ausdauer und Kontinuität, von Offenheit und Flexibilität in praktischen Arbeitsbereichen ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit den Jugendlichen. Für alle ist die Gestaltung des täglichen Lebens von Bedeutung mit dem Ziel der Erlangung ihrer größtmöglichen Selbstständigkeit.
Die Maßnahme kann mit der Vermittlung in eine Tagesförderstätte,
den Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen,
eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft,
einen betrieblichen Förderlehrgang,
eine andere berufliche Qualifizierungsmaßnahme oder
einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt enden.